"Seltener fliegen, länger bleiben"

Nachhaltiges Reisen

Geschäftsführer Michael Nachbaur erklärt, warum Vorsätze und Verhalten so weit auseinanderklaffen, wenn es um nachhaltiges Reisen geht - und worin die Chance liegt.

Im Interview
Rainer Nägele

HLR: Woran liegt es, dass gerade bei Urlaubsreisen selten gute Vorsätze umgesetzt werden?

Michael Nachbaur: Man reist, um sich selbst Gutes zu tun - und nicht der Umwelt. Man möchte es sich schön machen, Freude am Leben haben, dem Jahr einen Höhepunkt geben. Wenn es dafür nötig ist, mit Vorsätzen zu brechen, tun wir das: Für den Urlaub geben wir uns eine Ausnahmegenehmigung. Man macht einen Urlaub nicht weil, sondern obwohl man sich nachhaltig verhalten will.

 

HLR: Wie stark klaffen Einstellung und Verhalten deutscher Urlauber konkret auseinander?

Michael Nachbaur: Ganze 56 Prozent sagen, sie möchten nachhaltig verreisen. Doch wenn man genauer fragt, reduziert sich die Zahl wesentlich. Für 23 Prozent war es bei der tatsächlichen Reiseplanung zuletzt ein Aspekt unter mehreren, aber ausschlaggebend nur für vier Prozent - eine große Lücke.

 

HLR: Wie werden diese Widersprüche innerlich wegargumentiert?

Michael Nachbaur: Die Menschen sagen: Ich möchte eigentlich nachhaltig reisen. Aber dieser Urlaub soll am Meer sein, an einem ganz bestimmten Ort, weil er auf Bildern so hübsch aussieht. Es soll Wlan in der Ferienwohnung geben, ich finde keinen Bus zu den Ausflugszielen und brauche also doch ein Mietauto. Der Wunsch nach Nachhaltigkeit ist einer unter sehr vielen, die man an ein Urlaubsziel hat - und hat am Ende oft nur noch geringe Bedeutung.

 

HLR: Gibt es Unterschiede zwischen Alt und Jung, Besser- und Geringverdienern?

Michael Nachbaur: Nachhaltig reisen wollen eigentlich alle, besonders Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen. Gleichzeitig sind aber genau sie bei den Flug- und Fernreisen ganz vorne mit dabei, weil sie das Geld haben.

 

HLR: Sie weisen darauf hin, dass immer mehr und weiter geflogen, aber nicht mehr Zeit am Urlaubsort verbracht wird?

Michael Nachbaur: Sie weisen darauf hin, dass immer mehr und weiter geflogen, aber nicht mehr Zeit am Urlaubsort verbracht wird.

 

HLR: Was muss passieren, damit mehr Menschen ihr Reiseverhalten ändern?

Michael Nachbaur: Es geht immer um Kosten und Nutzen. Nachhaltigkeit muss im Vergleich zu gewohnten Reisen günstiger werden, etwa durch CO₂-Bepreisung. Aber nicht nur die Politik, auch die Branche kann viel tun. Wenn man immer wieder daran erinnert wird, dass nachhaltiges Reisen eine tolle Sache ist, dass es Spaß macht, dann gibt das den Leuten einen Schubs. Es muss leicht sein, nachhaltiger zu reisen. Es macht einen Unterschied, ob es in einem Prospekt irgendwo im Kleingedruckten steht oder offensiv zum Thema wird. Es ist auch eine Frage von Unternehmensstrategien, welches Entscheidungsumfeld für Kunden geschaffen wird. Und besonders bei den vielen Menschen, die gerne ökologisch und sozial verträglich reisen wollen, wie gesagt der größere Teil der Bevölkerung, gibt es da Ansatzpunkte.

 

 

Das Interview führte Michael Nachbaur.

31. Jänner 2022

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Christian Urban

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